Instagram-Betrug mit Fake-Finanzaccounts: Wie KI-Profile Anleger in die Falle locken

Instagram-Betrug mit Fake-Finanzaccounts: Wie KI-Profile Anleger in die Falle locken

Instagram und TikTok sind längst mehr als Plattformen für Bilder und Tanzvideos – sie sind zu Marktplätzen für Desinformation, Manipulation und Betrug geworden. Eine besonders perfide Form: Anlagebetrüger kopieren reale Personen, geben sich als Finanzexperten aus und locken mit Versprechen schneller Gewinne. Hinter den Accounts stecken oft künstlich erzeugte Identitäten, KI-generierte Bilder und automatisierte Chats. Das Ziel: das Geld gutgläubiger Nutzer.

Diese Masche ist nicht nur ärgerlich, sondern gefährlich – und sie betrifft zunehmend auch seriöse Persönlichkeiten, deren Namen für betrügerische Aktivitäten missbraucht werden. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie den Instagram-Betrug durch Fake-Finanzprofile erkennen und sich davor schützen können.

1. Die Masche: So funktioniert der Instagram-Betrug

Die Vorgehensweise ist einfach – und dennoch wirkungsvoll:

Betrüger erstellen ein Profil mit fast identischem Namen wie eine bekannte Person (z. B. durch kleine Änderungen: christoeckerr, chris.stoecker, etc.). Sie verwenden das gleiche Profilbild und die gleiche Biografie. Dann nehmen sie Kontakt zu echten Followern des Originals auf – per Direktnachricht oder Kommentar.

In der Nachricht wird oft ein exklusiver Zugang zu einer vermeintlich elitären WhatsApp- oder Telegram-Gruppe versprochen, in der „Insider-Finanzwissen“ geteilt wird. Dort erhalten Opfer „Tipps“ zu Aktien, Krypto-Coins oder angeblich sicheren Investitionen – oft garniert mit Screenshots, Testimonials und KI-generierten Grafiken. Wer investiert, verliert meist alles.

2. KI statt Kompetenz: Die neue Qualität des Betrugs

Ein alarmierendes Element dieser Masche ist der massive Einsatz künstlicher Intelligenz. Die Täter nutzen Deepfake-Bilder für Profilfotos (Personen, die es gar nicht gibt), generieren automatisierte Beiträge mit Börsenfloskeln, bauen Webseiten mit maschinell übersetzten Texten, gefälschten Zertifikaten und fiktiven Akademien und simulieren Chatverläufe mit KI-Bots, die auf Fragen antworten und Vertrauen aufbauen sollen.

Eine besonders dreiste Variante ist die erfundene „Nexvolt School of Finance“, angeblich mit einem Harvard-Absolventen „Nico Hartwig“ an der Spitze. Dessen Profile, Webseiten und Inhalte bestehen fast vollständig aus KI-generierten Bildern und Texten.

3. Prominente Opfer und echte Warnungen

Nicht nur Privatpersonen sind betroffen. Auch prominente Namen werden gekapert: Finanz-Influencer, Journalisten wie Martin Wolf von der Financial Times sowie öffentlich bekannte Ärzte und Experten wie Eckart von Hirschhausen.

Oft dauert es Wochen oder Monate, bis Meta, TikTok oder X auf Beschwerden reagieren. Selbst bei offensichtlichen Klonen mit gleichem Bild und fast gleichem Namen erhalten Nutzer oft die Rückmeldung: „Verstößt nicht gegen unsere Richtlinien“.

Die deutsche Finanzaufsicht Bafin warnt regelmäßig: „Die Empfehlungen in WhatsApp-Gruppen stammen häufig angeblich von bekannten Persönlichkeiten. Diese wissen davon aber nichts – ihre Identitäten werden missbraucht.“

4. Meta, TikTok & Co: Plattformen mit Verantwortung – und Problemen

Die Plattformbetreiber reagieren langsam oder gar nicht. Dabei wäre die Erkennung solcher Accounts durch identisches Profilbild, nahezu gleichen Namen und gleiche Textbausteine technisch einfach automatisierbar.

In vielen Fällen hilft nur der Gang vors Gericht. Einige Institutionen und Einzelpersonen konnten einstweilige Verfügungen gegen Meta & Co. erwirken – mit der Auflage, auch sinngleiche Inhalte zu entfernen. Doch solche Klagen sind teuer, langwierig und nicht für jeden machbar.

5. WhatsApp-Gruppen als Falle: Vom Finanztipp zum Date-Betrug

Besonders gefährlich ist der Schritt in externe Plattformen wie WhatsApp. Dort finden keine Moderation durch Instagram oder TikTok mehr statt, es wird mit automatisierten Chats gearbeitet, und es kommt teilweise zu Verwechslungen mit anderen Betrugsarten, etwa Romance-Scams.

In einem dokumentierten Fall wechselte der Chat plötzlich von Anlagetipps zu Fragen wie: „Was machst du gerade? Bist du in einer Beziehung?“ – ein Hinweis darauf, dass unterschiedliche Scam-Skripte parallel genutzt werden.

6. Wie erkenne ich Fake-Finanzprofile?

Achten Sie auf folgende Warnsignale:

  • Der Accountname weicht minimal vom Original ab
  • Das Profilbild ist identisch oder auffällig ähnlich
  • Es gibt nur wenige Beiträge, aber viele Follower – oft gekauft
  • Kein Impressum, keine Links, keine echten Kontakte
  • Grammatik oder Formulierungen wirken maschinell übersetzt
  • Angebote für geheime Gruppen oder Finanzkreise
  • Keine echten Stories oder Einblicke ins Privatleben

Wenn mehrere dieser Punkte zutreffen, ist Vorsicht geboten.

7. Was tun, wenn ich betroffen bin oder einen Scam vermute?

Wenn Sie selbst betroffen sind oder einen solchen Betrugsversuch sehen, sollten Sie Folgendes tun:

  • Fake-Profil melden und Screenshot sichern
  • Das echte Profil mit einem klaren Hinweis versehen, z. B. „Keine WhatsApp-Gruppe“
  • Ihre Follower öffentlich über Stories oder Beiträge warnen
  • Niemals in externe Gruppen eintreten, deren Quelle unklar ist
  • Verdachtsfälle dokumentieren und ggf. anzeigen (auch online möglich unter polizei.de)
  • Wenn möglich, rechtlich gegen die Plattform oder den Betreiber vorgehen

8. Rechtliche Schritte und politische Entwicklungen

Die Rechtsprechung in Europa wird zunehmend verbraucherfreundlicher. Gerichte verurteilen Plattformen inzwischen dazu, auch ähnliche oder sinngleiche Inhalte zu löschen, nicht nur exakt gemeldete.

Die EU-Kommission hat 2024 ein Verfahren gegen Meta eingeleitet – wegen irreführender Werbung, Desinformation und zu schwacher Moderation. Weitere Verfahren gegen TikTok und X könnten folgen. Ziel ist es, Plattformbetreiber stärker in die Verantwortung zu nehmen – vor allem beim Schutz personenbezogener Daten und im Umgang mit Fake-Identitäten.

9. Fazit: Was muss sich ändern?

Die derzeitige Situation ist untragbar. Plattformen wie Instagram, TikTok und X profitieren von Reichweite – auch bei Fake-Accounts. Gleichzeitig übernehmen sie kaum Verantwortung für Schäden, die durch betrügerische Inhalte entstehen.

Was es braucht:

  • Verpflichtende automatische Prüfung bei Profilduplikaten
  • Schnellere Reaktionszeiten auf gemeldete Fake-Accounts
  • Einheitliche europäische Mindeststandards zur Moderation
  • Bessere Zusammenarbeit zwischen Plattformen, Strafverfolgung und Verbraucherschutz

10. Unser Tipp: Bleiben Sie wachsam

Betrüger werden immer raffinierter – aber mit etwas Aufmerksamkeit lassen sich viele Maschen frühzeitig erkennen. Wenn Sie ungewöhnliche Nachrichten erhalten oder sich jemand als Finanzexperte ausgibt, prüfen Sie genau, bevor Sie handeln.

Und wenn Sie sich für digitale Sicherheit interessieren, werfen Sie gern einen Blick auf unsere Sicherheitslösungen für Windows hier auf unserer Homepage – damit Sie auch abseits von Instagram & Co. geschützt bleiben.

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Tim Stoepler Technik-Enthusiast mit Herz
Technikliebhaber und Support-Experte bei Engelmann Software. Er schreibt über Windows, IT-Sicherheit und alles, was digital Freude macht. 🙂