DVD verstehen: Aufbau & Formate
Wie eine DVD aufgebaut ist, welche Spezifikationen es gibt und welcher Disc-Typ wofür da ist.
Hier findest du alle technischen Grundlagen einer DVD: die fünf DVD-Bücher (A bis E), den physikalischen und logischen Aufbau, das UDF-Dateisystem, alle Disc-Typen (DVD-ROM, DVD-R, DVD-RAM, DVD±RW) sowie Sonderformate und Alternativen wie SACD und DIVX.
📋 Inhalt dieser Seite
Die DVD-Bücher (A–E)
Wie bei der CD die "Rainbow Books", gibt es bei der DVD fünf Spezifikationsbücher. Bücher A–C decken die Nur-Lese-Formate ab, D und E die beschreibbaren.
Das Grundbuch. Definiert Maße, Modulation, Fehlerkorrektur und Speicherkapazitäten für alle Nur-Lese-DVDs.
Application-Layer auf DVD-ROM-Basis: MPEG-2-Video, Audio-Tracks, Untertitel, Menüs, Navigation, Kapitel.
High-Resolution-Audio: bis zu 8 Kanäle, 96 kHz, 24 Bit. Eigenständiges Format für Musik, abwärtskompatibel zu DVD-Players nicht garantiert.
Einmal beschreibbare DVDs. Definiert Schreibschicht (organischer Farbstoff), Kapazitäten, Brennverfahren.
Wieder beschreibbare DVDs. Phase-Change-Verfahren plus MO- und Festplattentechnik.
📦 Drei Teile pro Buch
Jedes Buch besteht aus drei Teilen: Teil I (physikalische Strukturen), Teil II (logisches Format und Dateistruktur), Teil III (Application-Layer für das jeweilige Format). Erst Teil III unterscheidet die Formate – jede Read-Only-DVD ist im Kern eine DVD-ROM.
Der physikalische Aufbau
Eine DVD sieht einer CD täuschend ähnlich – und teilt die Maße: 12 cm Durchmesser, 1,2 mm dick. Daneben gibt's noch 8-cm-DVDs.
Die Daten werden wie bei der CD mit Pits und Lands gespeichert, aber die Dimensionen sind drastisch verkleinert:
- Pits nur noch 0,4 µm (CD: 0,9 µm)
- Spurabstand der Helix: 0,74 µm (CD: 1,6 µm)
- Laser-Wellenlänge: 650/635 nm rot (CD: 780 nm)
- Datenschicht: 0,6 mm dick (CD: 1,2 mm)
Schichten und Seiten
Eine DVD besteht aus zwei 0,6 mm dicken Hälften, Rücken an Rücken verklebt. Jede Hälfte kann eine oder zwei Datenschichten tragen – daher die Vielfalt der Varianten:
| Variante | Größe | Seiten | Schichten | Kapazität | Spielzeit |
|---|---|---|---|---|---|
| DVD-1 | 8 cm | 1 | 1 | 1,4 GB | 0:30 |
| DVD-2 | 8 cm | 1 | 2 | 2,7 GB | 1:15 |
| DVD-3 | 8 cm | 2 | 1 | 2,9 GB | 1:20 |
| DVD-4 | 8 cm | 2 | 2 | 5,3 GB | 2:30 |
| DVD-5 | 12 cm | 1 | 1 | 4,7 GB | > 2:00 |
| DVD-9 | 12 cm | 1 | 2 | 8,5 GB | 4:00 |
| DVD-10 | 12 cm | 2 | 1 | 9,4 GB | 4:30 |
| DVD-14 | 12 cm | 2 | 1+2 | 13,2 GB | 6:30 |
| DVD-17 | 12 cm | 2 | 2 | 17 GB | > 8:00 |
Imation- vs. Matsushita-Verfahren
Bei zwei Schichten auf einer Seite kommt eine teildurchlässige Erstschicht zum Einsatz, durch die der Laser zur tieferen Schicht durchfokussieren kann:
- Imation: Echte zwei Schichten – aufwendiger, aber doppelte Kapazität pro Seite.
- Matsushita: Zwei Seiten, semitransparent verklebt – einfacher, aber faktisch eine Zwei-Seiten-Disc ohne Wendeerfordernis.
Track-Pfade: PTP und OTP
Die Datenspur der ersten Schicht verläuft wie bei der CD spiralförmig nach außen. Für die zweite Schicht gibt's zwei Optionen:
- PTP (Parallel Track Path): Beide Spuren parallel – ermöglicht z.B. Wechsel der Kameraperspektive.
- OTP (Opposite Track Path): Umgekehrte Ausleserichtung – nahtlose Wiedergabe für Filme mit Überlänge.
🔧 EFM Plus & Reed Solomon Code
Das von der CD bekannte EFM-Modulationsverfahren wurde um zwei Bit erweitert: aus 8 Datenbits werden jetzt 16+3 Channel-Bits. Heißt – wenig sinnvoll – nicht ESM, sondern EFM Plus.
Die Fehlerkorrektur ist neu: Reed Solomon Product Code (RS-PC) – zehnmal zuverlässiger als CD-Fehlerkorrektur.
Der logische Aufbau
Logische Strukturen definieren, wie Dateien und Verzeichnisse auf physikalische Sektoren abgebildet werden – Volumes, Blöcke, Allocation Tables, Charset, Pfade.
Bei der CD war ISO 9660 Standard. Für die DVD war ISO 9660 von Anfang an zu starr – die OSTA (Optical Storage Technology Association) hat UDF als Nachfolger bestimmt.
UDF — Universal Disc Format
UDF ist das universelle Dateisystem der DVD: betriebssystem-übergreifend, ohne die alten ISO-9660-Beschränkungen. Bis zu 64 000 Zeichen, lange Dateinamen, beliebige Verzeichnistiefe, fragmentierte Dateien.
UDF Bridge / Micro-UDF
In der Praxis wird so gut wie jede DVD mit einem ISO 9660-Mantel umgeben (Level 3) – als Bridge-Disc:
- Systeme mit ISO-Treiber lesen sie als ISO-Disc
- Systeme mit UDF-Treiber lesen sie als UDF-Disc
- Beide greifen auf dieselben Dateien zu, keine getrennten Partitionen
Reine UDF-Discs ohne ISO-Mantel funktionieren nur mit installiertem UDF-Treiber – verschiedene CD-Brennprogramme haben Packet-Writing-Anwendungen mit (oft proprietären) UDF-Variationen.
DVD-ROM — die Basis aller DVDs
Die DVD-ROM-Spezifikation legt das Grundgerüst aller Nur-Lese-DVDs fest: Maße, Dateisystem, EFM Plus, Reed Solomon-Fehlerkorrektur. Plus:
- Reflektivität: 45–85% bei der ersten Schicht (CD: ~80%), 13–35% bei der zweiten
- Mindest-Datenrate beim Auslesen
- Speicherkapazitäten aller Varianten
- Fehlerkorrektur-Overhead: ca. 13%
Damit ist klar: Jede DVD ist im Kern eine DVD-ROM. Eine DVD-Video ist nur eine Untereinheit – aber eine, die sich gewaschen hat: der Application-Layer regelt vom Audio-Codec bis zur Menü-Navigation alles.
DVD-R — einmal beschreibbar
DVD-R ist das Pendant zur CD-R: einmal beschreibbare Medien mit organischer Polymer-Schreibschicht. Brennt man, kompatibel zu den meisten DVD-Playern und -Laufwerken.
Kapazitäten
- 4,7 GB — 12 cm, einseitig (Standard heute)
- 8,5 GB — 12 cm, Double-Layer
- 9,4 GB — 12 cm, doppelseitig (selten)
- 1,4 GB — 8 cm, einseitig
- 2,8 GB — 8 cm, doppelseitig
Erst ab 4,7 GB lohnt sich der Einsatz als Videorecorder – kleinere Kapazitäten waren eher Übergangslösungen.
DVD-RAM — die Fehlplanung
DVD-RAM klang zunächst nach der Lösung für mehrfaches Beschreiben. Die Realität: nahezu 100% inkompatibel zu allen anderen Playern. Die Technik basiert auf Phase Change plus MO- und Festplattentechniken; Daten werden auch auf der Trennwand zwischen Spuren geschrieben.
Kapazitäten
- 2,6 GB einseitig (oft als Caddy-Variante)
- 5,2 GB doppelseitig (nur ohne Caddy)
Beteiligte Firmen: Toshiba, Panasonic, Hitachi. Fazit: Der Speicherplatz reicht nicht für Videos, fast kein Player liest die Discs. DVD-RAM ist als Standard nicht ernsthaft einsetzbar geworden.
DVD-RW & DVD+RW
DVD-RW
Wieder beschreibbares Format auf Phase Change-Basis. Von Pioneer entwickelt, nutzt die Pit-Größen der DVD-R – soll zu existierenden DVD-Playern kompatibel sein. Kapazität: 4,7 GB (Single-Layer), 8,5 GB (Double-Layer).
DVD+RW
Konkurrenzformat zur DVD-RAM, eingeführt Herbst 1999 – ebenfalls auf Phase Change basiert. Hauptbeteiligte: Philips, Sony, Hewlett Packard, plus Ricoh, Yamaha, Mitsubishi und die großen Filmstudios.
DVD-Sonderformate
Mac/PC-Hybrid-DVD
Die DVD-Variante der bekannten Hybrid-CD: zwei Partitionen auf einer Disc – Mac-spezifisch und PC-spezifisch. Jede ist nur vom dazugehörigen Betriebssystem aus handhabbar.
WWW-DVD
Eine DVD-ROM oder DVD-Video mit eingebauten Browser-Funktionen: Drehbücher als HTML-Versionen mit direkten Sprüngen zu Filmszenen oder Webseiten. Hierzulande nur als US-Import zu bekommen, Wiedergabe braucht einen PC mit DVD-ROM-Laufwerk.
Mixed-Media (Rewritable Sandwich-Disc)
Eine ungewöhnliche Mischung: eine DVD mit zwei Schichten – wobei die eine eine DVD-RAM-Schreibschicht ist (mehrfach beschreibbar), die andere DVD-ROM-Daten enthält.
Alternative Formate
SACD — Super Audio CD
Sony und Philips' Konkurrenzformat zur DVD-Audio. Eine Hybrid-Disc mit zwei Schichten: die obere ist von jedem CD-Player abspielbar, die untere nur von DVD-SACD-Playern. Auch bekannt als Legacy- oder Sandwich-Disc. Hat sich nicht durchgesetzt.
MMFV und AS-MO
Von NEC eingeführtes alternatives DVD-Schreibformat – ähnlich DVD/RW und DVD+RW, mit ca. 5 GB Kapazität. AS-MO sollte das Gleiche schaffen. Beide vermutlich nur für Videoüberwachung und Konferenzaufzeichnung relevant geworden.
DIVX (das Hardware-Format!)
Nicht zu verwechseln mit dem MPEG-4 Codec DivX. DIVX war Ende der 90er ein Versuch der Filmindustrie, eine alternative Vertriebsform für DVD-Videos zu etablieren – die DIVX-Player verfügten über ein Modem zum Filmverleih, der pro Anschauen Geld kassierte. 1998 ist das Format gestorben.
🎬 Wie der DivX-Codec zu seinem Namen kam
Nach dem Tod des DIVX-Players entwickelte die Community einen MPEG-4-Codec – zunächst als gehackte Microsoft-Variante, später eigenständig. Den Namen "DivX" kaufte sie der ehemaligen DIVX-Firma ab. Daraufhin entstand die freie Alternative "Xvid" (DivX rückwärts). Beide spielen heute neben h.264/h.265 keine Rolle mehr.
DVDs selbst brennen mit CDRWIN 10
CDRWIN brennt nicht nur CDs, sondern auch DVDs – mit allen Specs aus diesem Kompendium. Kostenlos.
CDRWIN 10 holen →