Gehören digitale Sprachassistenten wie Alexa und Co. ins Kinderzimmer?

Wie warm ist es draußen gerade; hat Legoland (oder eine andere Einrichtung) schon geöffnet und kann ich mein Lieblingslied noch einmal hören: Es sind Fragen und Wünsche wie diese, wie sie Kinder und Kleinkinder täglich äußern. Sehr bequem, wenn man einen digitalen Sprachassistenten wie Alexa, Siri oder Cortana im Haushalt hat, der Eltern oder auch Kindern diese Fragen direkt beantworten kann. Doch sind diese Sprachassistenten nur ein Hilfsmittel für Eltern, die auch nicht immer alles wissen? Oder können Alexa und Co. auch bedenkenlos ins Kinderzimmer? Hier ein paar Hintergründe und Argumente.

Seit wann gibt es Sprachassistenten?

Überspringt man einmal die Geschichte der Sprachassistenten, deren Anfänge ja bis auf Thomas Edison (Stichwort Ediphone / mechanisches Diktiergerät) und das Jahr 1877 (!) zurück gehen, so gilt Siri als erster moderner digitaler Sprachassistent. Seit 2007 entwickelt und im Jahr 2010 von Apple gekauft, erschien Siri bereits 2011 auf dem iPhone 4. Heute ist Siri ein wesentlicher Bestandteil aller Apple-Produkte. Alexa (bzw. Amazon Echo), der Sprachassistent von Amazon, dessen Name oftmals als Synonym für digitale Sprachassistenten gilt, gibt es erst seit 2015.

Welche Sprachassistenten gibt es?

Neben der bereits angesprochenen Siri (Speech Interpretation and Recognition Interface) der Firma Apple und Alexa von Amazon (eigentlich heißt das Produkt Amazon Echo, Alexa ist nur das Aktivierungswort) gibt es noch folgende nennenswerten Mitbewerber:

  • Google Assistant, des Unternehmens Google, entwickelt für Android, Google Home, iOS und den Messenger Google Allo
  • Cortana, des Unternehmens Microsoft und ein wesentlicher Bestandteil von Windows 10 (nach manueller Aktivierung auch von Windows 11).
  • Bixby, der Sprachassistent der Firma Samsung für Samsung-Geräte
  • Hallo Magenta, ein intelligenter, internetbasierter Lautsprecher der Deutschen Telekom

Wie funktionieren Alexa und Co.?

Alexa bzw. Amazon Echo ist ein intelligenter Lautsprecher. Er ist über das Internet verbunden mit einer auf KI basierender, intelligenter Sprach-Software. Diese greift zurück auf alle Informationen und Daten, die im Internet verfügbar sind, sowie auf eigene Dienste bzw. Daten und Dienste anderer Anbieter. Dieser Zugriff auf unzählige Informationen machen den Sprachassistenten so hilfreich, da er in Echtzeit so gut wie jede Frage beantworten kann und dabei auf eine unendlich große Datenbank an Inhalten zurückgreift. Wünschen Sie sich für Ihr Kind z.B. ein Lied oder ein Hörspiel, wird Amazon Echo dies finden und für Sie abspielen.

Dabei ist das Gerät so konzipiert, das Sie immer erst ein Aktivierungswort sagen müssen, bevor es auf Sie und Ihre Frage reagiert. Ohne diese Vorkehrung würde der Sprachassistent vermutlich permanent mitreden. Das bekannteste Aktivierungswort von Amazon Echo ist “Alexa” (Alternativen sind u.a. “Amazon” oder “Computer”). Erst dann wird mit den Besitzern interagiert, die Gespräche aufgezeichnet und die Daten zur Verarbeitung in die Cloud geschickt.

Darüber hinaus ist Amazon Echo – sowie alle anderen digitalen Sprachassistenten auch – KI gestützt und intelligent und so programmiert, dass sie kontinuierlich dazu lernen. Alexa erkennt, wenn Sie mit einem Suchergebnis zufrieden oder unzufrieden sind; z. B. dann, wenn Sie mehrmals nachfragen oder Ihre Frage präzisieren müssen. Auch anhand der Dinge die Sie fragen oder sagen, lernt die KI. Ziel ist es – neben dem Sammeln möglichst vieler personenbezogener Daten natürlich – Alexa zu optimieren, so dass Sie auf jede Frage genau die Antwort von Alexa bekommen, die Sie benötigen. Dieses Grundprinzip ist bei allen Sprachassistenten ähnlich.

Soll Alexa ins Kinderzimmer?

Sie haben eine intelligente, virtuelle Person, die Ihrem Kind jede Frage korrekt beantwortet, jeden Wunsch (zumindest jeden Musikwunsch) erfüllt und das alles kostenfrei und rund um die Uhr? Verständlich, dass gestresste Eltern dieses Gerät manchmal nur zu gerne im Kinderzimmer platzieren möchten. Dass dies nicht unbedingt verantwortlich ist, wissen Eltern dabei selbst. Doch wie immer im Leben gilt auch hier: man muss auch differenzieren können.

Positiver Zeitvertreib oder Gefahr für Kinder: Sollte Alexa ins Kinderzimmer?
Gewinnbringende Beschäftigung oder Gefahr: Gehören digitale Sprachassistenten wie Alexa und Co. ins Kinderzimmer?

Völlig unbedenklich: Alexa in den Alltag integrieren

Auch wenn aktuell die meisten Eltern noch zu einem relativ großen Teil analog groß geworden sind – mit Fußball im Hof, Büchern zum Anfassen, Lego und Mensch-Ärgere-Dich-Nicht bei schlechtem Wetter und einem TV-Angebot, das abhängig von der Uhrzeit war – so lässt sich der Trend zur zunehmenden Digitalisierung nicht umkehren. Und Kinder vernünftig auf die digitale Welt vorzubereiten, inklusive Chancen und Risiken, ist heutzutage ein Muss.

Warum also nicht Alexa oder einen anderen intelligenten Sprachassistenten in den Alltag integrieren? So lange alles unter Aufsicht oder Hörweite der Eltern geschieht – und diese verantwortlich mit dem digitalen Assistenten umgehen – ist dies völlig unbedenklich.

Das Alter und die Reife spielen eine wichtige Rolle

Bereits in der Einleitung hatten wir von Kindern und Kleinkindern gesprochen. Die Altersspanne derer, über die wir hier reden reicht also von einem Jahr und einem Tag (Kleinkind ist man laut Definition ab Beginn des 2. bis zur Vollendung des 3. Lebensjahres) bis einen Tag vor dem dreizehnten Geburtstag (Definition Kind: Ab Beginn des 4. Bis zum vollendeten 12. Lebensjahres). Völlig klar, dass man das Alter beim praktischen Umgang und dem Aufstellen von Regeln mit Alexa und Co. berücksichtigen muss. Natürlich gilt es auch die geistige Reife der Kinder zu berücksichtigen. Je älter und reifer, desto häufiger und eigenständiger kann und soll der Umgang mit digitalen intelligenten Sprachassistenten sein. Aber sollte das Gerät deshalb gleich ins Kinderzimmer, wo Kinder unbeaufsichtigt Alexa nutzen? Ein klares Nein!

Ungeeignete und kostenpflichtige Inhalte, mangelnde Schutzmaßnahmen

Alexa spielt Kinderlieder, Hörbücher und Hörspiele. Es kennt Märchen, erzählt Witze, liest Gute-Nacht-Geschichten und kann den Kindern auch interaktiv und mit viel Spaß Wissen vermitteln, in Form von Quiz- und Ratespielen.

Doch es bietet Kindern auch Zugang zu ungeeigneten und kostenpflichtigen Inhalten. Die Schutzmaßnahmen sind leider ungenügend, eine explizite Kindersicherung und eine zuverlässige Jugendschutzeinstellung gibt es leider nicht. Und so warnt sogar der wissenschaftliche Dienst des Bundestages vor den Risiken für Minderjährige. Sehr anschaulich und irgendwie auch lustig ist das Video eines Sechsjährigen, der sich ein Kinderlied wünscht und „play Digger Digger“ ins Mikrofon ruft. Doch was bekommt er als Vorschlag von Alexa? Antwort: Die Titel von Pornos. Zum Glück können die Eltern rechtzeitig eingreifen. Geschichten und Pannen wie diese gibt es viele.

Hinzu kommt: Alexia ist direkt mit dem Amazon-Konto verbunden – und ermöglicht so das bequeme Einkaufen per Sprache. Einmal nicht aufgepasst, schon hat sich der Nachwuchs nicht nur über die neuesten Spielsachen informiert, sondern alles gleich bestellt. Zwar lassen sich Spracheinkäufe in den Einstellungen deaktivieren, es ist dies allerdings eine von wenigen Möglichkeiten, Alexa etwas kindersicherer zu machen.

Datensammelei: Gespräche aus dem Kinderzimmer landen über Alexa bei Amazon

Es ist ja längst bekannt, dass digitale Sprachassistenten Daten sammeln. Offiziell natürlich, um die Software besser zu machen. Aber was sonst noch alles mit den Daten passiert – und mit Daten meinen wir an dieser Stelle aufgezeichnete Gespräche – weiß keiner. Hier hat sich im Umgang mit Alexa und Co. gezeigt, dass vor allem Kinder deutlich unbedenklicher persönliche und heikle Informationen mit dem Sprachassistenten teilen. Kinderzimmer-Gespräche landen dann bei den Analysten von Amazon. Zwar gibt es Mittel und Wege, den Sprachaufnahmen-Verlauf zu überprüfen und gar zu löschen, doch ob diese Daten tatsächlich restlos gelöscht oder nur auf “inaktiv” geschaltet werden, weiß allein Amazon.

Problematisch in diesem Zusammenhang ist natürlich auch der Datenschutz. So haben Sie zwar im Rahmen der Installierung von Amazon Echo den AGBs von Amazon zugestimmt, nicht aber Ihr Besuch sowie die Eltern anderer Kinder, die zum Spielen kommen. Unter Umständen bemerkt Ihr Besucht gar nicht, dass Alexa anwesend ist und alles aufzeichnet. Hier wird der Datenschutz verletzt.

Fazit: Besser bis 18 warten

Wie gezeigt können digitale Sprachassistenten den Alltag in einer Familie enorm erleichtern. Es gibt tolle und pädagogisch wertvolle Inhalte für Kinder, mit denen diese sich auch selbst längere Zeit beschäftigen können. Kinder erlernen dabei gleichzeitig den Umgang mit modernen technischen Geräten und entwickeln Medienkompetenz und digitale Kompetenz. Zwei wichtige Skills in unserer heutigen Welt.

Dennoch sollte Alexa nicht ins Kinderzimmer – egal wie vernünftig oder reif das Kind auch ist. Denn das Tor zu all den unappetitlichen – oder zumindest für Kinder ungeeigneten – Inhalten, die im Internet warten, lässt sich nur bedingt schließen. Auch Amazon selbst hat dies erkannt und empfiehlt in seinen Datenschutzerklärung selbst, dass Jugendliche unter 18 Jahren die auf Sprache basierenden Amazon Services nur in Begleitung eines Elternteiles oder eines Vormundes nutzen sollten.