Probleme beim CD-Brennen
Buffer Underrun, Jitter, Kopierschutz, Überbrennen: Die häufigsten Stolperfallen – und was du dagegen tun kannst.
Hier sammeln wir die klassischen Probleme beim CD-Brennen aus über 30 Jahren Praxis: warum manche CDs nicht lesbar sind, was BurnProof macht, wie RawCopy funktioniert – und wie man Kopierschutz historisch umgangen hat.
📋 Inhalt dieser Seite
BurnProof & Buffer Underrun
Der Buffer Underrun – der Klassiker beim CD-Brennen. Wenn der Datenfluss zum Recorder ins Stocken gerät und der Recorder-Puffer leerläuft, war früher die CD ein Bierdeckel.
Was vor BurnProof versucht wurde
Sony versuchte zunächst, ruinierte CDs weiter verwertbar zu machen. Dann kamen die Packet-Writing-Programme: Statt zig Megabyte am Stück zu schreiben, beschränkten sie sich auf kleinere Pakete in Puffergröße. Funktionierte – aber nur mit Daten-CDs, und nicht jedes Laufwerk konnte solche Discs lesen.
Burn-Proof von Sanyo
Eine Kombination aus Hardware und updatebarer Firmware. Der Recorder überwacht ständig den Pufferstatus. Vor dem Leerlauf stoppt er den Schreibvorgang an einer geeigneten Stelle innerhalb des EFM-Musters, der Puffer füllt sich neu, die Daten werden synchronisiert – und der Schreibvorgang wird gleich hinter dem letzten Punkt fortgesetzt.
📏 100 Mikrometer vs. 40 Mikrometer
Laut Orange Book darf der Abstand zwischen Schreibabbruch und Wiederaufnahme nicht mehr als 100 Micrometer betragen – was bisher nicht zu schaffen war. Dank BurnProof: nur noch 40 Micrometer. Erstes Modell: der PlexWriter 12/10/32A von Plextor, ab Anfang Juni 2000.
Heute hat praktisch jeder Hersteller eine ähnliche Technik – unter verschiedenen Markennamen.
Überbrennen
Überbrennen heißt: die Kapazität eines Rohlings über die Spezifikation hinaus auszuschöpfen – durch die Toleranzspanne, die jeder Rohling von Haus aus mitbringt. In der Regel 2 Minuten – kann aber zwischen knapp einer und 5–6 Minuten variieren.
Überbrennen vs. Überlänge
Nicht zu verwechseln mit dem Brennen überlanger Rohlinge (z.B. 80 statt 74 Minuten): Da werden die Spuren des Pregrooves einfach enger gelegt. Das ist weitaus weniger problematisch als echtes Überbrennen.
⚠️ Vorsicht: Versucht man mit ungeeigneter Hardware zu überbrennen, kann der Pickup unwiderruflichen Schaden nehmen. Erkundige dich, ob dein Recorder das überhaupt kann.
Die tatsächlichen Toleranzwerte ändern sich laufend – auch innerhalb derselben Marke, wenn neue Produktionsserien anlaufen. Du bist also auf eigenes Ausprobieren angewiesen. CDRWIN kann übrigens überbrennen. 🙂
Jitter-Korrektur
Audiotracks haben keine Header mit Adressinformationen in den Sektoren – der Laser kann nicht exakt auf einer gewünschten Position „landen". Wird der Lesevorgang unterbrochen und wieder aufgenommen, hat der Laser Probleme, den Punkt des Abbruchs wiederzufinden.
Die Folge: Ein paar Blöcke werden doppelt gelesen – oder einige werden ausgelassen. Beides macht hörbare Knackser oder Aussetzer im Track.
Was Jitter-Korrektur macht
Die Software liest ein paar Blöcke vor und nach dem Abbruch und vergleicht sie mit den zuletzt geschriebenen Daten – so wird der exakte Anschluss gefunden. Vorteil: saubere Audiodateien. Nachteil: längere Lesezeit.
Andere Auslese-Modi
- Audio-Resynchronisierung (keine Jitter-Korrektur): Vertraut komplett auf die Hardware. Schnellste Methode, braucht aber ein gutes Laufwerk.
- Überlappende Resynchronisierung: Wiederholt das Auslesen der letzten Blöcke und vergleicht. Guter Kompromiss zwischen Tempo und Genauigkeit.
- Redundante Resynchronisierung: Fügt statistische Korrekturmuster hinzu für höchste Genauigkeit. Kann bei Direkt-Kopien Buffer Underruns provozieren.
RawCopy – Der effektive Kopiermodus
Der RAW Copy Mode ist die Schreib- und Lesemethode für kopiergeschützte CDs. „RAW" heißt: möglichst 1:1, ohne Modifikation. Das Problem: Nicht jedes Laufwerk kann raw lesen, nicht jeder Brenner kann raw schreiben – und es gibt verschiedene RAW-Modi mit unterschiedlicher Effizienz.
⚠️ Achtung: Viele CD/DVD-Recorder können zwar raw schreiben, aber nicht raw lesen! Klingt unsinnig, ist aber Realität. Hast du so ein Gerät, brauchst du zusätzlich ein passendes Lese-Laufwerk.
Die historischen RAW-Modi
Die Mutter aller Verfahren. Die reinen Nutzdaten plus Fehlerkorrektur eines Sektors. CDRWIN war vermutlich das erste Programm, das diesen Modus nutzte.
Plus 16 Subchannel-Bytes. Reicht im Allgemeinen für CDs mit defekten Sektoren als Schutz.
Die Kür: alle 96 Bytes der Subkanäle. Schafft praktisch jeden Kopierschutz – und macht den Recorder fähig zu Sachen, die er eigentlich nicht kann (CD-Text, CD+G).
Recorder, die kein normales RAW schreiben können, werden via Session-At-Once dazu gezwungen.
Wie SAO-RAW, plus alle 96 Subchannel-Bytes. Vergleichbar mit RAW DAO (+96 Bytes).
Einige Kopierschutzverfahren manipulieren die untersten physikalischen Bitmuster. Kaum ein Laufwerk kann das exakt reproduzieren – Programme mit EFM-Optimierung helfen. Z.B. GameJack beherrschte das.
Neuere Schutzverfahren prüfen die physikalische Position der Daten. Gepresste CDs sind nahezu perfekte Klone – Rohlinge nicht. Abhilfe: CD-Images plus virtuelle Laufwerke (SimDisc, GameJack). Möglich gemacht durchs von uns erfundene XMD (Extend Media Descriptor Format).
Kopierschutzmethoden – Ein historischer Überblick
Heute werden Kopierschutzmethoden auf CDs/DVDs kaum noch eingesetzt – die meisten Spiele setzen auf Online-Lizenzprüfung. Aber für die Geschichte:
Wichtig: Diese Informationen sind nicht dazu gedacht, Beihilfe zur Herstellung illegaler Kopien zu leisten. Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung – im Zweifel zieh einen Anwalt zu Rate.
Was rechtlich erlaubt ist
Laut § 69d Abs. 2 UrhG darf der Käufer eine Sicherungskopie anlegen, wenn diese für den künftigen Gebrauch erforderlich ist. Nicht aber bei kopiergeschützten CDs. Auch die Frage „in Eigenregie oder nicht?" ist nicht abschließend geklärt – es kommt auf die Lizenzbedingungen an.
Definitiv erlaubt:
- Den eigenen Audio-Bestand auf Festplatte kopieren und zu Compilations verarbeiten
- Selbst gekaufte CDs kopieren und an Familie / engsten Freundeskreis verschenken
- Urheberfreie / vom Urheber freigegebene MP3s aus dem Internet auf CD brennen
Definitiv verboten:
- Raubkopien herstellen, mehrere Sicherheitskopien anfertigen
- Kopiergeschützte CDs zu patchen, damit sie laufen
- Geliehene Software-CDs zu kopieren
- Verkauf kopierter Audio-CDs
- Wildes Kopieren im Freundeskreis
Die historischen Kopierschutz-Methoden
Modifiziert das Inhaltsverzeichnis, sodass Dateien angeblich viel größer sind als sie wirklich sind. Brennprogramme verweigern den Dienst, weil die „Größe" über 74/80 Minuten liegt.
Zwei Dateien gleichen Namens im selben Verzeichnis – durch TOC-Modifikation. Das Betriebssystem käme darauf, eine zu überschreiben. Lösung: sektorweise kopieren.
Game-CDs haben oft einen Daten- + mehrere Audiotracks. Ein zusätzlicher Datentrack am Ende der Session bringt viele Brenner durcheinander. Format-Name: „CD Plus".
Mehr als die üblichen 74 Minuten auf der Disc – manchmal nur 1–2, manchmal bis zu 6 Minuten. Normale Brennprogramme werfen das Handtuch. Lösung: 80- oder 99-Minuten-Rohlinge plus überbrennfähige Soft- und Hardware.
Eine einzelne Datei namens Laserlock, die nicht kopiert werden kann. Sektor-/Track-weise auslesen ist die Lösung – einfaches Auslassen reicht nicht, weil die Kopie ohne diese Datei nicht funktioniert.
Eine Art digitale Signatur, mit der die CD beim Pressen versehen wurde. Erkennbar am „DADC"-Logo im Innenring. Effektive 1:1-Kopie inklusive der 96 Kontrollbytes ist nötig.
Einige der ersten Blöcke werden gewollt fehlerhaft erstellt, dazu eine Datei Clokspl.exe. Sektor-/Track-weises Kopieren im Raw-Modus löst das in der Regel.
Firmware Updates
Für CD- und DVD-Brenner gab es früher regelmäßig Firmware-Updates. Wir hatten seinerzeit die wohl weltweit größte Liste – allerdings gibt's viele Recorder-Hersteller nicht mehr oder sie produzieren keine Brenner mehr. Damit wurden auch die Firmware-Updates von den Servern gelöscht.
Frühere Firmware-Quellen
Wir hatten Updates für u.a.: Acer, Aopen, BTC, Caravelle, Creative, Delta, Hewlett Packard, Iomega, JVC, LG, LiteOn, Matsushita/Panasonic, Memorex, Mitsubishi, Mitsumi, NEC, OTI, Philips, Pinnacle, Plasmon, Plextor, Ricoh, Samsung, Smart & Friendly, Sanyo, Sony, TDK, Teac, Traxdata, Verbatim, Waitec, Wearnes, Yamaha.
📜 Brenner-Anekdoten
Der Mitsumi 2801 konnte zuerst nur TAO – DAO sollte per Firmware-Update nachgeliefert werden. Aber die Ingenieure hatten sich verrechnet: der vorhandene Speicher war ein paar KB zu klein…
Unvergessen auch der Teac 55S – wohl einer der besten Brenner, die je gebaut wurden. Robust, langlebig, konnte alles. Auf der CeBIT 2001 zeigten wir einen Brenn-Tower mit 32 dieser Teac-Brenner parallel – das Gerät läuft heute noch (mit Windows 98), nur 3–4 Brenner haben mittlerweile das Zeitliche gesegnet.
ASPI-Treiber
In Zeiten von Windows 95/98/NT4/2000 und SCSI war der ASPI-Treiber bei fast jedem Rechner Pflicht. ASPI = Advanced SCSI Programming Interface – wird trotz des Namens auch für ATA-, ATAPI-, USB- und FireWire-Geräte gebraucht.
Heute bringt jede Brennsoftware (auch CDRWIN) ihren eigenen ASPI-Treiber mit.
Legendär waren die ASPI-Treiber von Adaptec, Tekram, Dawicontrol, Symbios Logic. Mit aktuellen Systemen sind sie nicht mehr kompatibel – der Adaptec-Treiber liegt z.B. immer noch in Version 4.72 vor (letzte Aktualisierung im Jahr 2000).
Auto Insert Notification (AIN)
Die automatische Benachrichtigung beim Wechsel – AIN startet ein Programm, sobald eine CD im Laufwerk erkannt wird. Was nett gemeint ist, kann mitten in einem Schreibvorgang unangenehme Nebenwirkungen haben: Das plötzlich startende Programm kann die Rechenleistung kosten, der Datenfluss reißt ab, der Schreibvorgang wird abgebrochen.
Außerdem zwingt AIN Windows dazu, ständig alle CD-Laufwerke abzuhorchen – auch den Brenner. Auch nicht ideal.
AIN abschalten
Unter Windows 9x/ME: Gerätemanager öffnen → CD-ROM-Laufwerk markieren → Eigenschaften → Register „Einstellungen" → entsprechendes Häkchen entfernen. Für jedes Laufwerk wiederholen. Neustart. Hund in Sicherheit.
Unter Windows NT/2000/XP: Folgenden Wert in der Registry auf 0 setzen:
Unter Windows 10: Im Benachrichtigungsassistenten der Systemsteuerung.
CDRWIN 10 löst die meisten Probleme
Beherrscht alle RAW-Modi, BurnProof, Überbrennen, Cuesheet und PQ-Editing – kostenlos. Plus: Datenrettung mit Forensic System, falls eine Disc trotzdem mal kaputtgeht.
