ISO-Datei erstellen & CD-Formate verstehen
Vom Red Book bis UDF: Welches CD-Format wofür – und wie du eine ISO-Datei für jede Anwendung baust.
Hier findest du alle CD-Formate auf einen Blick – von der klassischen Audio-CD bis zur exotischen Bridge-Disc – plus Cuesheet, CD-Text, Subkanaldaten und die Dateisysteme ISO9660, Joliet und UDF.
📋 Inhalt dieser Seite
CD-Formate: Eine Einführung
Manche CD-Formate haben heute kaum noch Bedeutung, andere wenig – und wieder andere sind essenziell. Die drei wichtigsten:
- CD-DA – die Audio-CD
- CD-ROM – die Daten-CD
- CD-ROM/XA – die erweiterte Daten-CD
Warum gibt's überhaupt so viele Formate?
Anfang der 80er war die Audio-CD der Anfang von allem – bestens für Musik, aber wenig anderes. Da man trotzdem auch Computerdaten, Videos und Multimedia auf CD haben wollte, passte man die Audio-CD-Technik kurzerhand an. Die physikalischen Maße blieben gleich – nur die logische Struktur der Sektoren wurde verändert.
Was ist ein Sektor?
Ein CD-Sektor umfasst in der Regel 2352 Byte und liegt wie eine Perle auf der Helix-Spur, von innen nach außen. Die Sektoren machen einzelne Informationsblöcke überhaupt auffindbar.
Sektoren werden zu Strukturen zusammengefasst: Lead-in (mit dem TOC) am Anfang, dann die Data Area (mindestens 1, höchstens 99 Tracks) und das Lead-out am Ende. Eine CD muss aus mindestens einer Session bestehen, kann aber bis zu 99 enthalten.
📦 Was steckt in 2352 Byte?
Der Unterschied zwischen den Formaten liegt in der Sektor-Struktur:
- Audio-CD: alle 2352 Byte = Musik
- CD-ROM Mode 1: 2048 Byte Nutzdaten + 304 Byte erweiterte Fehlerkorrektur
- CD-ROM/XA Form 2: 2324 Byte Nutzdaten (für Grafik/Sound mit weniger Fehlerkorrektur)
CD-DA – Die Audio-CD Red Book
1980 von Sony und Philips als erstes CD-Format überhaupt veröffentlicht. CD-DA ist die Spezifikation für Discs, die mit Musik gefüllt und auf einem Audio-CD-Player abgespielt werden.
Die Specs
- Musikinformationen in 16-Bit Stereo
- Samplingrate 44,1 kHz
- Tracks mindestens 4 Sekunden lang
- Eine einzige Session pro CD
- Am besten in Disc at Once (DAO) gebrannt
Der Grund für die Single-Session-Pflicht: Audio-CD-Player können nur die erste Session erkennen.
CD+G – Karaoke-CDs
CD+G ist ein Überbleibsel aus älteren CD-Recording-Tagen – der erste Versuch, Zusatzinformationen in den R-bis-W-Subchannel einer Audio-CD einzubauen. Die Zusatzdaten sind meist Grafiken (daher „CD plus Graphics"), seltener Texte oder MIDI-Dateien (CD+MIDI).
Heute hat das Format kaum Bedeutung mehr – außer für Karaoke-CDs, die nach wie vor in CD+G geschrieben werden.
CD-ROM – Die Daten-CD Yellow Book
Der nächste Schritt nach der Audio-CD: Computerdaten auf CD. Die Specs bauen größtenteils auf der CD-DA auf, sind aber um erweiterte Fehlerkorrektur für sensible Daten ergänzt.
Plattformübergreifend dank ISO 9660
Eine CD-ROM ist mit jedem Betriebssystem lesbar – vorausgesetzt, ein ISO-9660-Treiber ist installiert (z.B. MSCDEX für DOS/Windows).
Schreibmethoden
Daten-CDs lassen sich als TAO, DAO, Single- oder Multisession erstellen. Standard ist eine TAO-Multisession-CD. DAO-Singlesession nutzt man nur, wenn die CD als Master für die Vervielfältigung dienen oder eine 1:1-Kopie sein soll.
Mode 1 vs. Mode 2
- CD-ROM Mode 1: 2048 Byte Nutzdaten/Sektor – der praktisch einzige Modus
- CD-ROM Mode 2: 2336 Byte/Sektor mit weniger Fehlerkorrektur – kaum verwendet
CD-ROM XA
Eine Mischung aus CD-I und CD-ROM Mode 2, geschaffen, um Multimedia-Anwendungen auf den Computer zu bringen. Das Verfahren der CD-I (verschieden große Sektoren auf einem Track) wurde auf die Daten-CD übertragen.
Form 1 vs. Form 2
- Form 1: 2048 Byte/Sektor mit hoher Fehlerkorrektur – für Programme und kritische Daten
- Form 2: 2324 Byte/Sektor mit weniger Fehlerkorrektur – für Grafik und Sound
Wichtig ist die mögliche Synchronität von Audio- und Grafikdateien durchs Verschachteln beider Sektor-Formen auf einem Track. Außerdem: Subheader für Zusatzinformationen.
CD-Extra
Das Format der Wahl für Daten + Audio auf einer Disc. Anders als die Mixed-Mode-CD wird der Datentrack als zweite Session hinter der Audiosession aufgespielt – und damit unsichtbar für Audio-CD-Player, die nur die erste Session erkennen.
⚠️ Vorsicht bei Mixed-Mode: Bei einer Mixed-Mode-CD liegt der Datentrack als erster Track auf der Disc. Eine HiFi-Anlage, die diesen abspielt, weil sie ihn für Audio hält, kann dadurch wertvolle Komponenten zerstören.
Das Format erkennst du am Begriff „Session at Once" – das ist die nötige Schreibtechnik. Audiosessions enthalten 2352-Byte-Sektoren, Datensession 2048-Byte-Sektoren im CD-ROM/XA Form 1 mit erweiterter Fehlerkorrektur.
CD-I Green Book & CD-I Ready
CD-I (Green Book)
Das erste Format mit verschieden großen Sektoren (Form 1 und Form 2). Bekannt wurde die CD-I als Multimediaspektakel für CD-I-Player – die heute kaum noch zu bekommen sind. Aber das Format überlebt: Ältere Spielekonsolen-CDs (z.B. Sony PlayStation 1) nutzen es. CD-I lieferte auch die Vorlage für die CD-ROM/XA.
CD-I Ready
Eine sogenannte Pregap-Disc: Die normalerweise 2 Sekunden lange Stille vor einem Musiktitel (zwischen Index 0 und Index 1) wird gehörig erweitert, um Zusatzdaten unterzubringen – Songtexte, Interpreten-Infos, Grafiken, Videos.
Audio-CD-Player springen beim ersten Track normalerweise zu Index 1 und ignorieren die Daten in Index 0 – CD-I-Player hingegen lesen Index 0 zuerst.
CD-ROM Ready
Variante der CD-I Ready, die dieselben Zusatzinfos auch normalen CD-ROM-Laufwerken zugänglich macht. Auch bekannt als Hidden Track, i-trax oder Track Zero.
Wie bei CD-I Ready werden die Daten ins Pregap des ersten Tracks gepackt – damit liegen sie nahe des Mittellochs, wo die besten Zugriffszeiten bestehen.
Beide Formate (CD-I Ready und CD-ROM Ready) sind in der Praxis aber weitgehend auf der Strecke geblieben.
CD-Text
Auf einer normalen Audio-CD stehen keine Infos über Interpret oder Tracktitel. CD-Text – von Philips und Sony entwickelt – ändert das: Audio-Player neuer Generation zeigen Künstler, Titel und Kommentare auf dem Display an.
Wo werden die Infos gespeichert?
CD-Text nutzt die R- und W-Subchannel-Bytes im Lead-in-Bereich. Die normalen Audiodaten und die Spielzeit der CD bleiben unangetastet – die volle Spielzeit kann genutzt werden.
💡 Voraussetzung: Sowohl der Recorder als auch der Player müssen CD-Text unterstützen. Die meisten CD-Recorder schreiben den Subchannel-Bereich leider nur mit Nullen.
Photo-CD Beige Book & Video-CD White Book
Beides sogenannte Bridge-Discs – eine Mischung der Specs aus CD-ROM/XA und CD-I.
Photo-CD (Beige Book)
Layout wie eine Multisession-CD-ROM. Auf dem ersten Track liegt eine CD-I-Datenspur mit den nötigen Dateien für CD-I- oder Photo-CD-Player. Alle weiteren Tracks in Mode 2. Die Herstellung braucht spezielle Premastering-Tools.
Video-CD (White Book)
Bridge-Disc zwischen CD-ROM/XA und CD-I, mit zusätzlichen Specs für die Video-Kodierung (MPEG-1). Layout wie eine Singlesession-CD-ROM. Erster Track: CD-I-Datenspur für den Player, Rest: MPEG-Streams in Mode 2.
Cuesheet – Das CD-Skript
Ein Cuesheet ist eine simple ASCII-Textdatei mit allen Informationen für den TOC (Inhaltsverzeichnis). Jeder CD-Recorder arbeitet intern mit so einem Cuesheet – du kannst es auch selbst von Hand schreiben.
💡 Engelmann-Geschichte: Das CUE/BIN-Format wurde von uns zusammen mit der Firma Goldenhawk entwickelt – heute ist es Standard im Internet.
Die wichtigsten Befehle
- FILE – Spezifiziert die zu schreibende Datei (Image)
- TRACK – Tracknummer und Datentyp (AUDIO, MODE1/2048, etc.)
- FLAGS – Setzt Flags wie Kopierschutz (DCP), Vierkanalton (4CH), Preemphasis (PRE)
- PREGAP – Länge der Pause vor einem Track (als Stille)
- INDEX – Sprungmarken innerhalb eines Tracks (Index 01 = Trackanfang)
- POSTGAP – Pause nach einem Track
Minimales Cuesheet-Beispiel (Audio-CD)
TRACK 01 AUDIO
INDEX 01 00:00:00
FILE D:\AUDIO2.WAV WAVE
TRACK 02 AUDIO
PREGAP 00:02:00
INDEX 01 00:00:00
Erlaubte Datentypen
- AUDIO – Wave/AIFF/MP3 mit 2352 Byte/Sektor
- CDG – Karaoke / CD+G mit 2448 Byte/Sektor
- MODE1/2048 – CD-ROM (Nutzdatenbereich)
- MODE1/2352 – CD-ROM RAW
- MODE2/2336 – CD-ROM/XA Form 2 (Nutzdaten)
- MODE2/2352 – CD-ROM/XA Form 2 RAW
- CDI/2336 bzw. CDI/2352 – CD-I Form 2
💡 Tipp: Wave-Dateien müssen mit 44,1 kHz gesamplet sein und in 16 Bit Stereo vorliegen. Achte darauf, dass das Track-Ende mit dem Abschluss eines 2352-Byte-Sektors harmoniert – sonst entstehen Knackser beim Abspielen.
PQ-Editing
PQ-Editing heißt der Eingriff in die Tiefen der CD-Struktur – aber keine Bange, das hört sich schlimmer an, als es ist. Möglichkeiten:
- Pausen – Stille zwischen Tracks (Pregaps im P-Subkanal)
- Indizes – Sprungmarken innerhalb eines Tracks (Q-Subkanal)
- ISRC-Codes – Eigentümer/Copyright-Info (nur professionell relevant)
- Preemphasismarker – Höhenanhebung (nur bei dumpfem Klang sinnvoll)
- 4CH – Vierkanalton
- Kopierschutz-Flags – kaum noch relevant, weil Computer-Brenner sie ignorieren
Voraussetzungen: Eine Software und ein Recorder, die beide DAO beherrschen, plus Zugriff auf die Subkanäle. Geht entweder über ein eigenes Cuesheet oder über die Programm-Menüs.
Subkanaldaten
Jeder Sektor einer Audio-CD besteht aus 2352 Byte Musik + 784 Byte Fehlererkennung + 98 Kontrollbytes. Diese 98 Kontrollbytes verteilen sich auf 98 Frames – eines pro Frame.
P bis W
Jedes Kontrollbyte zerlegt man in 8 Bits, zugewiesen den Buchstaben P, Q, R, S, T, U, V, W. So entstehen die Subkanäle:
- P-Subkanal – jedes erste Bit (z.B. Pregap-Info)
- Q-Subkanal – jedes zweite Bit (z.B. TOC, Track-Info)
- R-bis-W-Subkanal – zusammengefasst, z.B. CD-Text und Karaoke-Grafiken
Die Subkanäle werden parallel zu den Nutzdaten ausgelesen, ohne diese zu stören. Der hier verbrauchte Speicher geht nicht von der Disc-Kapazität ab. Einziger Haken: Nicht jeder Recorder kann jeden Subkanal beschreiben, und nicht jeder Player kann sie auswerten.
Dateisysteme: ISO 9660, Joliet, UDF
ISO 9660 – Der plattformübergreifende Klassiker
Das CD-Dateisystem, das praktisch jedes Betriebssystem versteht. Drei Levels mit unterschiedlich strengen Regeln:
- Level 1: Sehr restriktiv. Dateinamen 8.3 (8 Zeichen + 3 Erweiterung), nur Großbuchstaben A-Z, Zahlen 0-9, Unterstrich. Maximum 8 Verzeichnisebenen. Dateien müssen kontinuierlich abgelegt sein.
- Level 2: Dateinamen bis 31 Zeichen, mehr Sonderzeichen. Sonst alles wie Level 1.
- Level 3: Auch andere Restriktionen gelockert – Dateien dürfen fragmentiert abgelegt werden. Aber: Kaum eine Brennsoftware bietet Level 3 noch an, die meisten setzen direkt auf UDF.
Joliet
Microsoft-Erweiterung für Windows: Hebt die Beschränkungen für Dateinamen-Länge, Sonderzeichen und Verzeichnistiefe auf. Joliet-Discs sind auf DOS, Windows und Mac OS beschränkt.
Romeo
Ebenfalls eine Windows-Erweiterung. Dateinamen bis 128 Zeichen inklusive Leerzeichen – was unter DOS Probleme macht. Mittlerweile bedeutungslos.
HFS
Apple-Erweiterung des ISO-Standards. Mac-Dateien werden in zwei Forks gespeichert: Data-Fork (eigentliche Datei) und Resource-Fork (Dateityp etc.). HFS-CDs basieren auf ISO Level 2 und sind nur unter Mac, Linux, OS/2 und SGI Irix lesbar.
RRIP
Rock Ridge Interchange Protocol – die Unix-Erweiterung. Hebt alle Restriktionen für Dateinamen und Verzeichnistiefe auf, erlaubt symbolische Links.
UDF – Der DVD-Nachfolger
Das Universal Disc Format wurde von der OSTA (Optical Storage Technology Association) entwickelt – speziell mit Blick auf die DVD. Soll ISO 9660 als plattformübergreifendes Dateisystem ablösen. Die Beschränkungen von ISO fallen weg.
Wichtig auch fürs Packet Writing: ISO 9660 erlaubt Datei-Fragmentierung nur in Level 3, UDF ohne weiteres. Für plattformübergreifenden Zugriff können UDF-CDs beim Abschließen mit einem ISO-9660-Mantel umhüllt werden – so lesen Systeme mit ISO-Treiber sie als ISO, Systeme mit UDF-Treiber als UDF.
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