DSGVO

DSGVO – ein Selbstversuch: Das wissen Internet-Firmen über Ihre User

Die neue europäische Datenschutzgrundverordnung ist nun schon etwas länger in Kraft getreten. Aber haben Sie mal versucht, bei großen Firmen wie Amazon oder Facebook Ihre privaten Daten einzusehen? Wir haben den Selbstversuch gemacht und bei Google, Amazon, WhatsApp, Facebook, Instagram und Apple unsere Daten angefordert.

Wie kann man seine Daten nach DSGVO einsehen?

Die EU-Datenschutzverordnung gibt Ihnen das Recht zu kontrollieren, was mit Ihren Daten passiert und welche Daten über Sie gespeichert werden. Grundsätzlich dürfen Daten nur noch so lange gespeichert werden wie nötig und es sollen auch nur noch Daten erhoben werden, die unbedingt notwendig sind.

Als Verbraucher hat man zudem das Recht, sich eine Kopie der Daten schicken zu lassen. Die Anforderung kann formlos erfolgen, per Post oder auch elektronisch. Sie brauchen dafür keine Vorlage oder Muster. Eine Antwort des Unternehmens sollte dann innerhalb eines Monats erfolgen. Und es muss u.a. möglich sein, diese Daten löschen zu lassen. Ausführlichere Informationen gibt es z.B. auf der Webseite der Verbraucherzentrale:

https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/digitale-welt/datenschutz/ihre-daten-ihre-rechte-die-datenschutzgrundverordnung-dsgvo-25152

Viele große Unternehmen haben für den Antrag auf Dateneinsicht vorgefertigte Formulare, die es dem User einfacher machen sollen. In der Praxis sieht das so aus:

  1. Google: Einfach https://takeout.google.com aufrufen, Daten eingeben und warten.
  2. Amazon: Bei Amazon ist der Weg komplizierter. Unter „Kontakt“ wählen Sie als Grund „Sonstige“ und dann das Thema „Datenschutzauskunft beantragen“ aus. Und warten…
  3. WhatsApp: WhatsApp hat direkt in der App eine passende Funktion unter „Einstellungen“, „Account“, „Account-Info anfordern“.
  4. Facebook: Wenn Sie angemeldet sind, finden Sie unter „Einstellungen“, „Allgemeine Kontoeinstellungen“ die Option „Lade eine Kopie deiner Facebook-Daten herunter“.
  5. Instagram: Einfach auf https://instagram.com/download/request/ die eigene E-Mail-Adresse bestätigen, dann „Download anfordern“. Und warten…
  6. Apple: Auf https://appleid.apple.com anmelden, „Daten und Datenschutz verwalten“ auswählen und dann „Kopien deiner Daten anfordern“

Funktioniert das wirklich?

Wir haben den Selbstversuch gewagt und haben bei allen Unternehmen die Daten angefordert.

Bei Google waren wir positiv überrascht und die Daten standen erstaunlich Weise innerhalb von ein paar Stunden zum Download bereit. Weniger positiv überrascht waren wir von der Sammelwut des Internet-Giganten: Wir haben tausende von Seiten mit Suchbegriffen erhalten. Inkl. Bildersuchen und Suchen im Karten-Dienst. Man erhält einen Standortverlauf und zumindest wir haben uns gewundert, was dort alles eingetragen war. Sehr erschreckend sind dann Einkäufe, die aufgelistet werden: Hotelbuchungen, Flüge, Käufe bei Amazon und mehr. Da fragt man sich schon, woher diese Daten alle stammen. Und noch ein kleiner Tipp: Drucken Sie die Daten nicht aus. Es sind wirklich Unmengen an Daten!

Bei Amazon gestaltet sich die Anfrage schwieriger. Zuerst muss man per E-Mail bestätigen, dass man die Anfrage wirklich stellen möchte. Dann werden noch weitere E-Mails ausgetauscht und irgendwann kam die Ankündigung, dass alle Daten „demnächst“ zur Verfügung stehen würden. Einige Daten kann man bei Amazon auch direkt & jederzeit online einsehen, z.B. alle gespeicherten Daten von Alexa oder Infos zur personalisierten Werbung. Für die spannenden Sachen hat Amazon etwas länger gebraucht. In einigen Foren liest man, dass diese Daten per USB Stick verschickt werden. Wir haben diese Daten nach rund vier Wochen per Download erhalten – alle Informationen stehen aber nur rund 90 Tage zum Download zur Verfügung. Die Daten selbst haben es aber in sich: Alle Kontoinformationen, die komplette Kommunikationshistorie, alle bisherigen Bestellungen, alle Rücksendungen, alles was auf registrierten Kindle-Geräten jemals gelesen bzw. abgespielt wurde. Interessanterweise sind sich alle verwendeten Suchbegriffe nur seit dem Jahr 2017 aufgeführt.

Bei WhatsApp kann man nach ein paar Tagen sein persönliches Datenpaket herunterladen. Die Daten sind überraschend spärlich: Profilfoto, die eigene Nummer, die Nummern aller Kontakt und die Namen aller Chat-Gruppen, an denen man teilnimmt. Keine Chats, nichts.

Bei Facebook sind die Daten ebenfalls innerhalb weniger Stunden einsehbar. Da sind alle Unternehmen der Facebook-Gruppe wirklich vorbildlich. Die Sammelwut von Facebook selber ist aber wesentlich umfassender als bei WhatsApp und Instagram: Es wird alles aufgelistet, von dem Facebook glaubt, was den User interessieren könnte. Außerdem sind alle hochgeladenen Fotos, Videos, Nachrichten und Kommentare aufgeführt. Zusätzlich auch noch jede Anmeldung bei Facebook, mit Datum, Uhrzeit und IP-Adresse. Da beschleicht einem das unwohle Gefühl was passieren würde, wenn jemand diese Daten erbeuten würde.

Auch Instagram ist schnell. Nach ein paar Stunden erhält man eine Datei mit allen hochgeladenen Fotos & Videos, alle Suchen, alle eigenen Kommentare und Likes. Sehr vorbildlich.

Bei Apple kommt nach ein paar Tagen ein Download-Link per E-Mail. Man erhält Informationen zu all seinen bisher verwendeten Telefonen, die dort aufgerufenen Internet-Seiten, angeschriebene E-Mail-Adressen, Informationen über Anrufe und diverse Ortsangaben. Auch da bleibt ein unwohles Gefühl.

Fazit: Alle Unternehmen reagieren zumindest sehr schnell. Bei Amazon hat es etwas länger gedauert und wir haben den Zugriff auf die Daten erst nach einigen Wochen erhalten. Einige von Apple, Amazon, Facebook & Co. gesammelten Daten sind zumindest zweifelhaft. Warum benötigt Apple alle angeschriebenen Mail-Adressen und alle Webseiten-Aufrufe? Wie kommt Google auf die Einkäufe? Da fragt man sich doch, welche Begründung die Unternehmen für das Sammeln dieser Daten haben…

Und noch ein kleiner Tipp zum Schluss:

Geben Sie im Internet nur die Daten ein, die wirklich notwendig sind. Und schalten Sie wenn möglich ein automatisches Datensammeln, z.B. von Aufenthaltsorten, aus.